Fragen und Antworten (FAQ)
- Was ist ein Tierversuch?
- Neben dem Begriff 'Tierversuch' wird auch der Ausdruck 'Vivisektion' als Synonym verwendet, der ursprünglich von dem lateinischen Wort für 'Aufschneiden' stammt. Heute werden beide Begriffe gleichermaßen für alle Versuche an lebenden Tieren verwendet, auch wenn viele Versuche, zum Beispiel im Bereich der Giftigkeitsprüfungen, nichts mit chirurgischen Eingriffen, also 'Aufschneiden', zu tun haben. Versuche mit lebenden Tieren bezeichnet man auch als in vivo, also 'im Lebenden'. Im Gegensatz dazu stehen tierversuchsfreie Forschungsmethoden, die in vitro, 'im Reagenzglas' genannt werden. Dieser Begriff umfasst alle tierversuchsfreien Techniken, neben 'echten Reagenzglasmethoden', wie Zellkulturen, auch Computermodelle und künstliche Systeme.
- Zum Seitenanfang
- Wie viele Tiere werden verwendet?
- Schätzungen gehen von weltweit mindestens 100 Millionen Tieren jährlich aus, davon werden mindestens 10 bis 11 Millionen Tiere allein in der EU verbraucht. Da die meisten Länder keine oder nur unvollständige Statistiken führen, liegt die tatsächliche Zahl der in Versuchen verbrauchten Tiere im Dunkeln. In den wenigen offiziellen Statistiken fehlt zudem ein Großteil der Tiere. So werden zum Beispiel Tiere, die bei der Versuchstierzucht als 'Überschuss' getötet werden, nirgends mitgezählt. Würde man diese Tiere hinzurechnen, würde sich die Anzahl der weltweit verbrauchten Tiere um viele Millionen erhöhen. In der EU ist Großbritannien mit 2,7 Millionen im Jahr 2002 das Land mit dem höchsten Verbrauch an Versuchstieren, gefolgt von Frankreich und Deutschland (2,1 Millionen Tiere im Jahr 2003).
- Zum Seitenanfang
|
|
|
|
- Welche Tierarten werden für Tierversuche verwendet?
- Eine Vielzahl der verschiedensten Tierarten wird für Experimente herangezogen. Ratten und Mäuse werden am häufigsten verwendet, vor allem wegen ihrer Größe und weil sie leicht zu handhaben und billig zu halten sind. Sie beanspruchen in einem Labor nicht so viel Platz wie größere Arten und können zudem 50 bis 100 Nachkommen pro Jahr 'produzieren'. Albinokaninchen werden häufig für Augen- und Hautreizungstests verwendet, die dabei in ihre Augen geträufelten Testsubstanzen nicht wie andere Tiere mit der Tränenflüssigkeit auswaschen können. Meerschweinchen werden ebenfalls bei Hautreizungstests eingesetzt sowie im Bereich der Chargenprüfung (Prüfung von Produktionseinheiten) von Impfstoffen. Hunde und Affen werden oft im Bereich von Giftigkeitstests, Hirnforschung, Zahnmedizin und Chirurgie verwendet. Die häufigste Rasse bei Versuchshunden ist der Beagle. Tiere dieser Rasse sind besonders gutmütig, außerdem eignen sie sich wegen ihrer gut handhabbaren Größe fürs Labor. Primaten wie Paviane, Makaken, Krallenäffchen und Schimpansen werden immer noch zu Tausenden in Experimenten getötet. Andere Tiere, die häufig zu Forschungszwecken herhalten müssen, sind Katzen, Vögel, Schweine, Pferde, Schafe, Hamster sowie viele andere Arten.
- Zum Seitenanfang
- Was sind das für Versuche, bei denen Tiere verwendet werden?
- Tiere werden bei vielen verschiedenen Versuchen verwendet - alle diese Experimente sind mit Schmerzen und Leiden für die Tiere verbunden. Die Tiere sterben entweder während des Experiments oder sie werden danach getötet, oft für eine anschließende Obduktion. Im Labor werden Tiere vergiftet, gelähmt, verstümmelt, bestrahlt, verbrannt, vergast, mit Krankheitserregern infiziert, ihnen werden Substanzen auf Haut und in Augen geschmiert oder in den Magen gepumpt, Futter, Wasser oder Schlaf werden ihnen entzogen, sie werden psychischem Stress oder Elektroschocks ausgesetzt, ihre Gehirne werden geschädigt und so weiter. Forscher in aller Welt verwenden Tiere um alles nur Denkbare zu testen, von Haushaltsprodukten, Kosmetika, Lebensmittelzusätzen, bis hin zu Arzneimitteln, Industriechemikalien, Pflanzenschutzmittel, Tierfutter, medizinischen Geräten sowie Tabak- und Alkoholprodukten. Im Bereich des Militärs werden Tiere Giftgas oder Strahlung ausgesetzt, bei ihnen werden Verbrennungen, Explosionswunden oder Dekompressionskrankheit hervorgerufen. Auf diese Weise sollen die chirurgische Versorgung im Feld sowie neue und bereits existierende Waffen getestet werden. Oder - Tierversuche werden selbst aus bloßer Neugier durchgeführt. Tatsächlich sind alle Stoffe, mit denen der Mensch in irgendeiner Weise in Berührung kommt, irgendwann einmal im Tierversuch getestet worden.
- Zum Seitenanfang
|
|
|
|
- Woher stammen die Versuchstiere?
- Viele tierexperimentelle Einrichtungen züchten selbst Versuchstiere. Die meisten der in der Forschung verwendeten Tiere stammen jedoch von speziellen Züchtern. Die Tierversuchsindustrie versucht Experimente an Tieren oft damit zu rechtfertigen, dass es sich ja nur um gezüchtete Tiere handele, so als ob dies eine andere Tierart sei. Die Kataloge der Versuchstierzüchter preisen Tiere als 'Produkte' an, heben die schnelle Abfertigung von Bestellungen und problemlose Lieferung hervor, so als ob diese lebenden, atmenden Lebewesen nichts weiter als Laborzubehör wären. Tatsächlich haben Versuchstiere natürlich die gleiche Fähigkeit seelisch und körperlich zu leiden, wie Haustiere. Viele Affen, die für Tierversuche verwendet werden, wie zum Beispiel Makaken oder Paviane, werden in ihren Heimatländern, wie Mauritius, Barbados, Indonesien, Philippinen, Tansania oder China, wild gefangen oder unter entsetzlichen Bedingungen gezüchtet. Sie werden an Labors in Europa, den USA und in alle Welt verkauft und über viele Tausend Kilometer dorthin transportiert. Durch den Stress, die fürchterlichen Zustände bei Fang und Haltung sowie die langen Transportwege erreichen viele der Primaten ihr Ziel nicht lebend.
- Zum Seitenanfang
- Sind Tierversuche grausam?
- Die Europäische Koalition zur Beendigung von Tierversuchen ist der überzeugung, dass das absichtliche Zufügen von physischen und emotionalen Schäden während eines Tierversuchs grausam und damit moralisch nicht zu rechtfertigen ist. Alle Tiere haben die Fähigkeit physische Schmerzen zu fühlen; auch sie können Angst, Langeweile, Depressionen und seelischen Kummer erleiden.
- Zum Seitenanfang
|
|
|
|
- Brauchen wir nicht Tierversuche, um Medikamente für den Menschen sicher zu machen?
- Tierversuche lassen eine Aussage über Tiere zu, nicht aber über Menschen. Die Ergebnisse aus Tierversuchen können aufgrund der gravierenden Unterschiede zwischen Mensch und Tier hinsichtlich ihrer Biologie, Anatomie und Biochemie niemals für Sicherheit und Wirksamkeit humanmedizinischer Arzneimittel und anderer Produkte garantieren. Verschiedene Tierarten können auf verschiedene Substanzen vollkommen unterschiedlich - ja sogar entgegengesetzt - reagieren. Erst, wenn eine Substanz in klinischen Studien am Menschen getestet wurde, kann im Nachhinein beurteilt werden, ob die Reaktion genauso wie beim Tier war oder anders. Einige Beispiele aus dem Bereich der Arzneimittel sollen die grundlegenden Unterschiede der Reaktion bei Mensch und Tier verdeutlichen: Aspirin wird als relativ sicheres und wirkungsvolles Schmerzmittel beim Menschen eingesetzt, kann aber tödlich für Katzen sein; Penicillin ist ein weit verbreitetes Antibiotikum in der Humanmedizin, doch für Meerschweinchen ist es tödlich; Arsen ist gefährlich für Menschen, hat diese Wirkung aber nicht bei Ratten, Mäusen und Schafen; Insulin, ein Hormon, das beim Menschen zur Therapie von Diabetes eingesetzt wird, ruft bei Mäusen, Kaninchen und Hühnern schwere Missbildungen hervor. Die Gefahr, die sich aus dem Vertrauen in den Tierversuch ergibt, wird durch die lange Liste der an Tieren getesteten Medikamente illustriert, die entweder wegen unvorhergesehener schwerer, oft tödlicher Nebenwirkungen vom Markt genommen oder in ihrer Anwendung stark eingeschränkt werden mussten.
- Eine im April 2000 veröffentlichte Studie des US-amerikanischen überwachungsgremiums Public Citizen geht davon aus, dass geschätzte 100.000 Amerikaner jedes Jahr an unvorgesehenen Nebenwirkungen von Medikamenten sterben. In Großbritannien haben sich die an Nebenwirkungen gestorbenen innerhalb der letzten 10 Jahre auf 1.100 im Jahr 2000 verfünffacht, berichtet die Audit Commission in ihrem 2002 veröffentlichten Report 'A spoonful of sugar'. In Deutschland schließlich gehen mindestens 16.000 Tote jedes Jahr auf das Konto von Arzneimittelnebenwirkungen (P. Schoenhoefer et al: DGPT-Forum 2001, 28, 15-19). Selbstverständlich wollen wir echte Fortschritte bei der Behandlung menschlicher Erkrankungen sehen. Wir sind aber der überzeugung, dass ein wirklicher Fortschritt nur durch die Entwicklung und Anwendung moderner, für den Menschen relevanter Forschungstechniken zu erzielen ist - und nicht durch Tierversuche.
- Zum Seitenanfang
- Werden Tierversuche nicht durch Gesetze vorgeschrieben?
- Tierversuche werden relativ selten durch Rechtsvorschriften direkt vorgeschrieben. Es gibt zwar einige gesetzliche Bestimmungen, die Tierversuche direkt verlangen, doch beschränken sich die meisten Vorgaben in den Gesetzen lediglich darauf, dass vor Marktzulassung eines neuen Produktes bestimmte Testdaten vorgelegt werden müssen, ohne genau festzulegen, wie diese Daten gewonnen werden sollen. Da sich aber der Tierversuch als Methode der Wahl über viele Jahre hinweg etabliert hat und die Zulassungsbehörden ebenfalls von vornherein eher Tierversuchsergebnisse akzeptieren als mit tierversuchsfreien Verfahren gewonnene Daten, ist das gesamte System der Produktentwicklung, -zulassung und -vermarktung heute unweigerlich mit Tierversuchen verbunden. Die Gesetze, die Testrichtlinien sowie die Einstellung der Behörden müssen geändert werden, um vom Tierversuch wegzukommen und stattdessen moderne, tierversuchsfreie Methoden zu etablieren.
- Zum Seitenanfang
|
|